Die Literaten
Ida von Düringsfeld
Casa editrice: Librorium Editions
Sinossi
Das Schloß, die Villa, das Landhaus, wie man es nennen wollte, stand in einer Bucht am Rhein. Es war wohl mehr Schloß als Landhaus, wenigstens schloßähnlich gebaut. Mit Thürmchen, Zinnen, Erkern, der ganzen altneuen Rheinarchitektur. Wenn man’s am Rhein nicht glaubt, daß man mitten in der Gothik lebt, so ist es sicher nicht die Schuld der Architekten oder Maurermeister. Das Schloß, von dem die Rede ist, machte keinen Anspruch darauf für alt angenommen zu werden. Es that nur gothisch, weil es eben neu war. Die Lage war herrlich. Die Straße trennte es von dem Kiesel- und Weidenufer unsers schönsten Stromes. Bäume, die noch jung, aber doch schon stattlich gewachsen waren, schnell aufschießend, Bäume mit luftigem Laub, Pappeln, Ahorne und Akazien, verschleierten die vordern Räume des Gartens, der sich hinter dem Schlosse mit Rasenplätzen und Strauchgruppen bis zu dem Berge zog, dieser umfaßte die ganze Bucht. Die Wellen des blühenden Weines wogten an ihm empor bis zum Gipfel, wo sich aus ihnen verwittert und epheugrün ein runder Thurm erhob, der letzte Rest einer Burg. Die ersten vierzig Schritte hinauf bis zwischen die Reben hinein lagen prachtvolle Basaltblöcke. Weiße Violen umblühten die untern. Um das Dunkel der Felsen her schimmerten sie wie rosiger Schnee. Es war eine künstlerisch-abgeschlossene, vollkommen ausgemalte Rheinansicht.
