LGTB Bücher

LGTB-Bücher, die Sie lieben werden

Auch dieses Jahr nimmt Covid-19 Einfluss auf sämtliche Pride-Versammlungen und Paraden. Das heißt aber nicht, dass die Stimmung darunter leiden würde, ganz im Gegenteil. Mit Maskenpflicht und Abstandsregelungen geht die Show weiter und auch wir möchten unseren Beitrag leisten. Deshalb haben wir eine kleine Auswahl an Büchern zusammengestellt, die die sexuelle Vielfalt des Regenbogens widerspiegeln.

In dieser Mikroauswahl präsentieren wir Klassiker mit LGTB Thematik, etablierte und aufstrebende Schriftsteller, Romane, Novellen und Briefe. Wir sind uns bewusst, dass diese Liste noch nicht einmal annähernd das gesamte LGTB Spektrum abdeckt und freuen uns auf weitere Vorschläge. Vor allem, da sich jedes Jahr mehr Verlage dem Thema widmen. Im folgenden präsentieren wir Ihnen 7 LGTB Bücher zum Verlieben!

Die Wäscheleinen-Schaukel

Ahmad Danny Ramadan, übersetzt von Christa Prummer-Lehmair und Heide Horn

Ein berührendes Porträt der Liebe zweier Syrer, die im Jahr 2012 nach Kanada geflohen sind und sich dort zusammen ein neues Leben aufgebaut haben. Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass sie in der Zukunft spielt und der namenlose Protagonist, der hakawati (arabisch für Geschichtenerzähler), rund vierzig Jahre nach der Flucht auf sein Leben zurückblickt.

Das tut er, um gegen den Tod zu kämpfen, der seinen Partner fest im Griff hat und der immer gegenwärtig, ja sogar eine weitere Romanfigur, ist. Tod, Liebe und Familie sind wichtige Themen in diesem Buch, das mit seinem hakawati an Tausendundeine Nacht erinnert und ein Syrien aufleben lässt, das so nicht mehr existiert. Umso schöner ist es, dass Ramadan uns mit auf diese märchenhafte Reise durch die Erinnerung seines Protagonisten nimmt, denn trotz der unausweichlichen Brutalität, die er erlebt hat, blickt der hakawati versöhnlich auf sein Leben zurück. Ein kraftvoller Debütroman, der noch lange widerhallt und dem hoffentlich noch viele weitere folgen werden.

Die Wäscheleinen-Schaukel von Ahmad Danny Ramadan lesen

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Die kalte Stadt 

Ralph Roger Glöckler

Zum 70. Geburtstag des Autors hat der Größenwahnverlag Ralph Roger Glöcklers Debütnovelle neu aufgelegt. Erstmals erschienen im Jahr 1987, schockiert das sich über knapp hundert Seiten ziehende homosexuelle Beziehungsgeflecht heute sicher keinen mehr. Dennoch ist die Lektüre absolut empfehlenswert, nicht nur als postmoderner Roman, der die Figuren des Erzählers und Autors spielerisch in den Text mit einbezieht, sondern auch als Analyse männlichen (menschlichen) Gefühlschaos. Eine Beziehung fürs Leben oder doch lieber unverbindlicher Sex? Begleiten Sie fünf Männer (Erzähler und Autor ausgenommen) deren Wege sich kreuzen und trennen und verirren Sie sich im Liebeswirrwarr ihrer Ängste und Sehnsüchte. Der distanzierte Erzähler rundet das Ganze zu einem unvergesslichen Leseerlebnis ab.

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Mein Herz ist wie das Meer

Daniela Schenk

Ein zauberhafter Roman über die Liebe, Freundschaft, Familie und eine komplizierte Krankheit. Amelie ist bipolar und hat deshalb von der Liebe abgeschworen. Sie will sich und andere beschützen, denn in ihren depressiven Phasen hat sie schon „viel Schaden angerichtet“. Doch dann trifft sie auf Zazou und ihr Vorsatz gerät ins Wanken. Auch Zazou wird magisch von Amelie angezogen und als diese plötzlich verschwindet, setzt Zazou alles daran, sie wieder zu finden und erfährt so von der bipolaren Störung ihrer Freundin.

Daniela Schenk ist es gelungen, einem schweren Thema Normalität zu verleihen, sie beschönigt die Krankheit nicht, dramatisiert sie aber auch nicht. Sofort wird geht einem die Geschichte von Amelie und Zazou ans Herz und der Leser fiebert mit den beiden mit, während sie sich über die Jahre hinweg immer wieder über den Weg laufen. Ein liebevoller Roman, den man nicht so schnell aus der Hand legen mag.

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Der Tod in Venedig

Thomas Mann

Die berühmte Novelle erzählt von Gustav von Aschenbach, einem älteren, überanstrengtem, mit sich und der Welt desillusioniertem Schriftsteller, der sich auf Erholungsreise nach Venedig begibt. Dort will er eigentlich für sich in Ruhe sein und neue Kraft fürs Schreiben schöpfen. Aber alles kommt anders, als er Tadzio am Strand entdeckt, einen schönen Jüngling aus aristokratischer Familie, der im selben Hotel wie Aschenbach Urlaub macht.

Völlig überwältigt von der Schönheit des Jungen, fängt Aschenbach an, Tadzio heimlich zu beobachten und spürt, wie eine verloren geglaubte Leidenschaft wieder in ihm zu Leben erwacht. Und so fasst er den Entschluss, den Jüngling zu schützen – koste es, was es wolle. Während Venedig von der Cholera heimgesucht wird, ist Aschenbachs einziger Wunsch, sicherzustellen, dass die tödliche Krankheit nicht die letzte schöne Kreatur hinrafft, die noch auf Erden bleibt.

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Die Muschelöffnerin

Sarah Waters

Sarah Waters hat einen lesbischen Roman geschrieben, den sie selber immer schon mal lesen wollte. Es geht um das sexuelle Erwachen eines Kleinstadtmädchens im viktorianischen Zeitalter. Nancy Astley verliebt sich in Transvestiten-Star Kitty Butler und begibt sich mit ihr auf Tour. Kitty erwidert Nancys Avancen und so beginnt eine emotionale und körperliche Odyssee, die 1890 in London ihren Höhepunkt erreicht. In den Hinterzimmern reicher Witwen arten Nancys und Kittys Auftritte zu regelrechten Orgien aus. Waters ist ein faszinierendes Porträt einer glamourösen und schmutzigen Zeit gelungen, das sie mit genau der richtigen Portion von Humor, Abenteuer und Sex anreichert.

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Die Kunst der Bestimmung

Christine Wunnicke

Spätestens seit Christine Wunnicke letztes Jahr knapp am Deutschen Buchpreis vorbeigeschrammt ist, dafür aber den Wilhelm Raabe-Literaturpreis eingeheimst hat, ist sie in aller Munde. Da kommt es gerade recht, dass der Albino Verlag DIE KUNST DER BESTIMMUNG neu aufgelegt hat. Das erstmals 2003 erschienene Buch war lange Zeit vergriffen und ist nun, sehr zu unserer Freude, auch als E-Book erhältlich.

Wer Christine Wunnicke kennt, weiß sie für ihre lapidare und humorvolle Prosa zu schätzen und wird auch bei diesem Buch auf seine Kosten kommen. Der schwedische Professor Chrysander kommt im Jahr 1678 nach London, um Ordnung in die Sammlung der Royal Society zu bringen. Dort trifft er auf Lord Fearnall, einen exzentrischer Gentleman, dessen Lebensstil das absolute Gegenteil von Chrysanders Ordnungsliebe verkörpert, der sich von dem Professor aber sofort angezogen fühlt. Auch Chrysander verfällt dem Charme des vielseitigen Lords, der sich in keine Schublade stecken lässt.

Skurrile Hauptfiguren, absurde Dialoge, noch nie war ein Historienroman so unterhaltsam und literarisch.

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De Profundis

Oscar Wilde

Das Oscar Wildes ein literarisches Genie war, steht außer Frage. Deshalb verwundert es auch nicht, dass er kein Interesse daran hatte, sich den Normen seiner Zeit anzupassen. Leider musste er einen hohen Preis für seinen Eigensinn zahlen, den man ihm heute als Charakterstärke auslegen würde. Wildes literarisches Werk ist weit bekannt, deshalb möchten wir an dieser Stelle lieber einen Brief empfehlen, den er an seinen Geliebten Lord Alfred Douglas aus dem Reading-Gefängnis schrieb. Es war diese Liebe, die Wilde ins Gefängnis brachte. Der Brief erlaubt einen Blick hinter die Maske des temperamentvollen Genies und zeigt, dass der kreative Geist in der Lage ist, auch unter extremsten Bedingungen Schönheit zu schaffen.

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Vermissen Sie ein Buch, das Ihnen ganz besonders am Herzen liegt? Vielleicht werden Sie ja in unserem digitalen LGBT Bücherregal fündig. Wenn nicht, dann freuen wir uns über weitere Empfehlungen in den Kommentaren!